Gedichte 

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Geister

 

Ein Wimpernschlag nur, im Gefüge der Zeit, 
Drohend wandert der Stundenzeiger voran, 
Wie der Esel vor einen Karren gespannt.

 

Ein kleines Stück noch, 's ist nicht mehr weit!

Mahnend erheben sich Geister der Vergangenheit, 
küssen dich flüsternd und hauchen ihren Odem dir ein.
"Bist allein, allein, für immer mein"

 

Das Bisschen, das dir noch bleibt, hege gut.
Pfleg' es und lass es gedeihen,
Am Ende musst du dir nur selbst verzeihen!

 

Drum bleib ', was du bist und hoff' auf ein Morgen,
Die Wahrheit liegt jenseits von alldem verborgen. 

 

(K.Richter)

Motte

 

Oh Motte, so zärtlich und samtig dein Flügelschlag,
Stirb tausend Tode!
Erstarre in deinem Versteck, bau' ein Haus.
Oh Motte, sag', sag', sag', wann graut der Morgen,
Wann kommst du heraus? Ist es schon Tag?

 

Deine Wandlung, oh kleiner Falter, 
Dein Totenschädel leuchtend im Mondenschein. 
Schau' hier durchs Fenster, 
Komm' herein, lad' dich ein!

Jedes Alter mehr Schein als Sein.

 

So senkt sich die Nacht, 
Dächer der Stadt neigen sich tief, 
Und ich blieb stets wach,
Weil doch die Motte mich rief. 

 

(K.Richter)

 

Nachtwache

 

Regen klagt trommelnd dich an,
Wasser perlt geschmeidig Glas hinab,
Als die Zeit zunehmend verrann,
Ich dir mein Herz und Leben gab.

 

Lieben in Schmerzen,

Hoffen auf ein Morgen,
Zwei blutende Herzen,
Kein Tag ohne Sorgen.

Trag' mich, 
Bring' mich durch die Nacht,
Ich halt' dich,

Bis der Morgen erwacht.

 

Will wieder fühlen, 
Wie ich einst empfand,
Im Wasser Hitze kühlen, 
Sehen, was uns verband.

 

Von Dunkelheit kündet die Nacht, 

Kann nicht finden, wonach mich drängt,
So halte ich weiterhin Wacht,
Bis ein neuer Tag voll Sehnsucht anfängt.

 

(K.Richter)

 

 

Der Kreis

 

Aus der Starre Ewigkeit,
Schlüpft ein pelz'ges Ding, 
Spannt seine feuchten Flügel weit,
Erahnt nicht mal den Sinn.

 

So zart, zerbrechlich, einerlei.
So wild und neugeboren, frei.

Steigt hinauf ans Firmament,
Flattert der Sonne entgegen,
Niemals hat das Leben geend't,
Zum ersten Mal wirklich verwegen. 

 

So zart, zerbrechlich, einerlei. 
So wild und neugeboren, frei.

Im Wandel des Lebens, 
Schließt sich der Kreis,
Nichts ist jemals vergebens, 

Wohl dem, der es weiß!

 

So zart, zerbrechlich, einerlei.
So wild, unbezähmbar und: 

frei!

 

(all rights reserved by Dunkelselig)
K.Richter 

 

Dämon

 

Dämon der Nacht, 
Lauernd in der Dunkelheit,
Im Mondschein erwacht,
Hör' nur! 
Er schreit,

Den Schmerz hinaus in die Welt, 
Den Zorn und die schäumend' Wut,
Über all jenes, 
was ihm missfällt,
Immerzu auf der Hut!

 

Steig' hinab in dein Höllengrab,
Gib Ruh', schlaf' endlich für immer,
Was ich dir einst so willig gab,

Das kriegst du nun mehr nimmer.

 

(all rights reserved by Dunkelselig Richter)

 

Du beschissene scheiß Nacht, glotzt mich an mit deinen leeren Augen, stierst mir in Hirn und Herz, um mich in Finsternis zu baden.
Glotz' nur! Gehst mir am Arsch vorbei! Wirst sehen, auch dein Ende naht. Wieg' dich also nicht in Sicherheit! Haut unter Nägeln, Wut glühend in deinen Adern. Und dein Herz es pumpt. Babumm. Babumm. Babumm. Den Zweifel und den Schmerz in jede Zelle deines geschundenen Leibes. Babumm. Ba-bumm. Ba-----

Und wenn der Morgen graut, legt das erste Licht des Tages sich wie Balsam auf deine geschundene Seele. Kein Schmerz. Keine Angst. Keine Einsamkeit. Keine Haut unter Nägeln, keine Wut mehr in den Adern. Und kein---------
Babumm. Stille. Und nichts. Die Kakofonie der Ewigkeit.

5/'19

Verwesung

 

In totem Fleisch sich Maden winden.

Fäulnis weht herüber,
Gestank so bittersüß,
singt ein Lied vom Ende allen Seins.

 

Nun wird mich bald niemand mehr finden.
Bleiche Knochen in gleißender Sonne, 
Schädel, der himmelwärts grüßt,
Nichts, wirklich nichts war meins. 

 

Im Sand pulsiert mein Herz noch immer.
Der letzte Schlag galt nur dir, 
Ach, hättest du mich doch geliebt, 
Dann läg' ich jetzt nicht hier.

 

K.Richter 6/'19

 

Im Modertümpel

 

Fauliger Odem steigt empor,
schmiegt sich zärtlich an sein Ohr,
Flüstert verheißungsvoll,
von grünen Wäldern und satten Auen.

Seiner Sinne beraubt fischt es im Trüben, 
doch seine Gedanken entschlüpfen wie schleimiges Getier.

 

Grüne Wälder? 
-Gibt es hier schon längst  nicht mehr!
Satte Auen? 
-Dort grast es nimmermehr.

 

Seine Nüstern beben, 
als es schon begreift,
Du nimmst ihm jetzt das Leben,
Das nun aus seinem Blicke weicht!

 

Oh, Modertümpel du verdorb'ner Ort,
Hier gibt es keine Rettung mehr,
Wer einmal sich hineinbegibt,
Kommt nimmermehr nimmermehr fort!

 

Drum nehm' dich in Acht vor den Flüsterstimmen,

Sei wachsam und stets auf der Hut, 
So gibt's für dich noch ein Entrinnen, 
Und endet nicht im Blut.

(7/'19)

 

Das Meer
 
Tosend das Meer, 
Schäumend die Gischt,
Komm zu mir, 
Sag meinen Namen!
Noch ehe die Flamme erlischt ihn warnen.
 
Im Wellengang raunen dunkle Stimmen,
Der Regen peitscht uns entgegen,
Sie rufen von den höchsten Zinnen,
Sind wir wirklich verwegen?
 
Poseidon erzürnt den Dreizack schwingt,
Sein Antlitz voll Gram und Zorn,
Das Wasser rauscht und schäumt und springt,
Ach, wär' ich nie gebor'n!
 
Es zieht uns hinab in die Dunkelheit,
Bettet uns in ein kaltes Grab,
Zurück ins Leben, der Weg ist weit,
Als ob es nie Licht und Leben gab.
 
Lauschet der Stille dort unten am Grund,
Lieblich umfängt uns die Einsamkeit,
Das Tosen und Toben auf immer verstummt,
Der Weg zum Ewigen nicht mehr weit.
 
Mit einem Mal reißt du die Augen auf,
Dein Herz trommelt das Lied des Lebens,
So darf es nicht sein, erwache und lauf!
Du strampelt und schwimmst,
Am Ende vergebens. 
 
Die Wellen raunen dem Himmel entgegen,
Sonnenlicht tanzt glitzernd am Horizont,
Zerbrechlich ist unser aller Leben, 
Hätt' ich es nur besser gekonnt!
 
(K.Richter) 1/'19
 
 
 
 
 
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© Katja Richter