Was gesagt werden muss ...

Zum 8. Mai     Tag der Befreiung

Der 8. Mai markiert das Ende des zweiten Weltkrieges und der Herrschaft des Naziregimes.
Viel zu lange haderten vor allem Westdeutsche mit diesem Tag der bedingungslosen Kapitulation, stand für viele doch immer der Umstand der Niederlage mit im Raum.
Die deutsche Aufarbeitungs -und Erinnerungskultur tat sich auch Jahrzehnte nach Beendigung des von Hitlerdeutschlands ausgehenden zweiten Weltkrieges schwer. Den 8. Mai als eben das einzuordnen oder gar zu feiern, was er war: nämlich als einen Tag der Befreiung der Welt von einem nie dagewesenen, menschenverachtenden Herrschaftsregime, das ausgezogen war, sich die Welt Untertan zu machen, koste es, was es wolle!
Vieles ist seitdem in der Erinnerungskultur auf den Weg gebracht worden. Und doch immer noch zu vieles nicht!
Erst letztes Jahr sorgte die skandalöse Einstufung des VVN-BDA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten) durch den bayerischen Verfassungsschutz dazu, dass dieser so wichtigen Organisation die Gemeinnützigkeit aberkannt wurde.
Hier stellt sich die Frage: wie wollen wir in Zukunft weiterhin mit unserer Verantwortung bezüglich unserer Vergangenheit umgehen?
Wie der Umgang mit diesem Erbe unserer Geschichte auch für nachfolgende Generationen aussehen kann, geht erheblich mit den Impulsen einher, die wir jetzt zu setzen bereit sind!
Laut Umfragen wissen 45 Prozent der Bundesbürger nicht, was am 8. Mai 1945 passiert ist. Vor allem unter den Jüngeren ist die Unwissenheit groß: Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der 18- bis 29-Jährigen wissen nicht, dass an diesem Tag der 2. Weltkrieg endete.
Wir unterstützen die Forderung der Vorsitzenden des Auschwitz-Komitees, Esther Bejarano, nach einem 8. Mai als bundesweitem Feiertag. Damit er als das ins kollektive Gedächtnis der Deutschen heute und in Zukunft eingeht, was er ist, immer war und sein wird:
Als Tag der Befreiung Deutschlands und der Welt vom grausamen NS- Herrschaftsregime!

Gedenken am Aline Söther Platz in Beckingen

Die Grausamkeiten des NS-Regimes und die Ideologie des Rassenwahns terrorisierten all jene, die nicht in das Weltbild der Nazis passten oder sich nicht unterordnen und anpassen wollten. So geriet auch eine junge Frau namens Aline Söther ins Fadenkreuz der von Unmenschlichkeit gekennzeichneten Schreckensherrschaft Adolf Hitlers und seinen willfährigen Handlangern.

Aline Söther wurde am 10.09.1923 in Beckingen geboren. Zum Zeitpunkt der Machtergreifung Hitlers, ist Aline gerade mal zehn Jahre alt. Ein junges Mädchen auf dem Weg zum Erwachsenwerden mit Träumen, Wünschen und Hoffnungen, wie sie eigentlich alle heranwachsenden Mädchen in dem Alter haben und doch wirft der Beginn der Nazi-Diktatur bereits seine Schatten voraus und markiert einen Wendepunkt von historischem Ausmaß. Aline kann zu diesem Zeitpunkt nicht wissen, dass ihr junges, unbeschwertes Leben jäh ein Ende finden wird. Nazideutschland wird die Welt, die Menschheit in einen finsteren Abgrund reißen, der zweite Weltkrieg wird bis zu seinem Ende über 70 Millionen Menschen das Leben kosten.

1940 zieht Aline mit ihrer Familie um, nachdem ihr Vater in Vigy-Altroff im ehemaligen Département Moselle als Bergmann dienstverpflichtet wird. Die inzwischen 17jährige Aline hilft auf einem Bauernhof mit, lernt den polnischen Kriegsgefangenen Myrtek Stamovitsch kennen und verliebt sich in ihn. Doch die junge Liebe steht unter keinem guten Stern. Die Nazis duldeten keine Beziehungen zu Polen. Unter Androhung von Erschießung Kriegsgefangener, die eine Beziehung zu deutschen Frauen eingingen und der Ächtung durch öffentliche Anprangerung der betroffenen Frauen, unterband die selbsternannte Herrenrasse die sogenannte „Rassenschande“. Deutsche Männer und Frauen waren angehalten ihr arisches Blut reinzuhalten und somit ihre Ehre zu schützen und zu bewahren.

Mitten in diesen dunklen Zeiten ein junges Paar, vielleicht die erste große Liebe. Schmetterlinge im Bauch. Zwei Menschen, die zueinander fanden und die ein Verbrechen begingen, allein dadurch, dass sie sich der Rassenideologie der Nationalsozialisten widersetzen, indem sie sich liebten. Als Aline schließlich von ihrem Myrtek ein Kind erwartet und die Schwangerschaft unübersehbar fortgeschritten ist, setzt der verzweifelte werdende Vater seinem Leben ein Ende. Myrtek Stamovitsch wirft sich vor einen Zug. Man mag sich die Trauer und Verzweiflung der jungen, werdenden Mutter kaum ausmalen. Aline bringt am 23.08.’43 die gemeinsame Tochter zur Welt. Die kleine Rita wird ihren Vater nie kennenlernen. Welchen Ächtungen, Anfeindungen und missbilligenden Blicken die junge Mutter Aline ausgesetzt war, kann man nur erahnen. Alles was ihr von ihrer Liebe zu Myrtek geblieben ist, ist ihre kleine Tochter. Doch ihr Mutterglück währt nur kurz. Als Rita sechs Monate alt ist, erhält Aline eine Vorladung vom Bürgermeisteramt „zwecks Vormundschaft“. Es ist ein Vorwand um die junge Frau endlich für den Tatbestand der „Rassenschande“ zu bestrafen. Aline kehrt von diesem Termin im Bürgermeisteramt nie wieder zurück nach Hause.

Aline Söther wird ins KZ Ravensbrück deportiert. Die junge Mutter, die erst ihren Partner verloren hat, muss nun die schmerzliche Trennung von ihrem Säugling ertragen. Wie unglaublich schrecklich muss das für Aline gewesen sein! Wie viele Tage und Nächte hat Aline gebangt, zurückkehren zu dürfen zu ihren Eltern und ihrem Baby? Wie viele Tränen hat sie vergossen vor Verzweiflung und Ausweglosigkeit? Wie sehr gehadert mit ihrem Schicksal? Ihr Verbrechen: Die Liebe zu einem Mann, der von den Nationalsozialisten zu einem Untermenschen deklariert wurde.

Aline Söther stirbt kurz vor der Befreiung des KZ. Sie ist eines von unzähligen Opfern eines unmenschlichen und unbarmherzigen Terrorregimes, deren Mächtige auszogen sich die Welt Untertan zu machen und all jene, die nicht in ihr Weltbild und ihre Lehre passten, gnadenlos zu vernichten.

Die kleine Rita lernt ihre Eltern nie richtig kennen und wächst bei ihren Großeltern auf, die fortan mit dem Schmerz über den Verlust ihrer Tochter leben müssen.

 

Text: Katja Richter

Quelle: Aktion 3. Welt Saar

28.02.'21

Wenn die Grundpfeiler der Demokratie ins Wanken geraten

-Wie der Vertrauensverlust in die Politik unserer Demokratie schadet und sie in Gefahr bringt

Das politische Auf und Ab der letzten Woche, fordert seinen Tribut. Das Vertrauen der Bevölkerung in unsere PolitikerInnen und auch in die Demokratie insgesamt, hat erheblich gelitten. Viele sind enttäuscht, frustriert und ratlos, angesichts der kommenden Wochen und Monate. Die Menschen sind gebeutelt, ausgelaugt und -wie man inzwischen immer wieder hören oder lesen kann- mütend.  (Eine Wortschöpfung aus müde und wütend).

Da beschließt eine Ministerpräsidentenkonferenz, eine Art harten Kurzzeitlockdown indem sie eine „Oster-Ruhe“ verhängt, die eine Abbremsung des Infektionsanstiegs bewirken soll. Kurzerhand wird der Gründonnerstag zu einem Feiertag erklärt, der Ostersamstag lässt immerhin noch Lebensmitteleinkäufe zu. Bis zu dem Zeitpunkt scheint sich offensichtlich niemand Gedanken darüber gemacht zu haben, was solch eine Regelung nach sich ziehen kann. Da fiel keinem ein, dass sich das ganze Feiertags-Einkaufsszenario dadurch nur erheblich verschlimmern könnte, Panik -und Hamstereinkäufe folgen, Lieferketten unterbrochen, oder Auszahlungstermine nicht eingehalten werden können. Dass ArbeitgeberInnen und ArbeitnehmerInnen irritiert überlegen müssen, was das nun im Hinblick auf Feiertagsregelungen bedeutet oder nicht. Man fasst sich an den Kopf und fragt sich, wie oft Ministerpräsidenten so einkaufen gehen vor Feiertagen?

Weltfremde, entrückte Entscheidungen, fernab von der Alltagswirklichkeit der Menschen. Da mag die Absicht dahinter noch so gut gemeint gewesen sein, die Umsetzung ist ein stümperhaftes Schauspiel, das seinesgleichen sucht.

Dem nicht genug, fragt sich Otto-NormalverbraucherIn nicht erst seit dieser MP-Konferenz, warum eigentlich immer erst nachmittags getagt wird, um dann mitternächtliche Pressekonferenzen zu zelebrieren. An besagtem Abend konnte man gewillt sein so lange auszuharren, wie man wollte, am Ende, so ab 1.00 Uhr siegte bei den meisten die Vernunft und eine gewisse Ernüchterung, ohne Gewissheit ins Bett gehen zu müssen. Am nächsten Morgen folgte dann der Paukenschlag und nicht wenigen wird die Kinnlade heruntergefallen sein, angesichts der Beschlüsse, hatten viele doch immer noch auf Lockerungen gehofft.

Doch hier nimmt das Drama erst seinen Lauf! Am Mittwoch dann, nimmt die Bundeskanzlerin Angela Merkel alle Beschlüsse zurück, gesteht einen Fehler ein, übernimmt die Verantwortung für das Debakel und bittet die Bürger und Bürgerinnen um „Verzeihung“. Spätestens jetzt ist die Verwirrung der Menschen groß, viele sind irritiert, versuchen zu verstehen, wie so etwas passieren kann. Und selbst jetzt zeigen viele Menschen noch Verständnis für eine Kanzlerin, die immerhin Fehler eingestehen kann. Einen Fehler einstehen zu können, ist immer eine positive Eigenschaft. Wir sind alle Menschen, wir durchleben alle zum ersten Mal eine Pandemie, sind müde und überstrapaziert. Unabhängig wie man zu der Entschuldigung der Kanzlerin steht, oder wie man sie finden mag, stellt sich dann aber doch die Frage, wie es möglich ist, derart schlecht beraten und informiert in so eine Konferenz zu gehen und offensichtlich erst im Nachhinein bemerkt oder auch darauf hingewiesen wird, dass die Folgen nicht richtig be -und überdacht wurden und der Schuss gewissermaßen auch nach hinten losgehen könnte. Wie authentisch eine Entschuldigung ist, hängt auch von den Umständen ab, durch die sie zustande kommt. Wer von zwei streitenden Kindern eine ehrliche Entschuldigung erwartet, die sie aber nur geben, weil sie wissen, dass ihnen ansonsten vielleicht ein ganz anderes Übel droht, der weiß, manche Entschuldigungen sind schlicht und ergreifend auch -wenn vielleicht auch nicht nur- ein Mittel zum Zweck, um Schlimmeres abzuwenden, zu beschwichtigen und die Notbremse zu ziehen.

Also: Rolle rückwärts, alles auf Anfang. Alles?

-Eben nicht!

Das Vertrauen in die Politik leidet inzwischen derart, dass die einst so zementiert geglaubten Grundpfeiler unserer Demokratie zwischenzeitlich bröckeln und ins Wanken geraten, viele Menschen „Rattenfängern“ auf den Leim gehen und ihren Sorgen und Ängsten teils abstruse Ausdrucksformen verleihen. Gleichwohl müssen wir diese Ängste aber ernst nehmen, sie eben nicht fortwährend belächeln oder abtun, nicht müde werden, aufzuklären und den Weg der Vernunft zu ebnen. Gewiss kein leichtes Unterfangen in jenen Tagen und eines, dass einem schnell die eigenen Grenzen aufzeigen kann. Aber Ängste und Nöte von Menschen haben Ursachen und die gilt es unabdinglich fest ins Visier zu nehmen. Das soll und darf nicht implizieren, Verständnis für jede Art von Protest zu haben. Wer das grausige und für den Holocaust, stehende Symbol des Judensterns, Sophie Scholl oder Anne Frank missbraucht, wer sich in solche Gesellschaft begibt, muss begreifen und erfahren, dass für diese Form von Geschichtsrevision kein Platz in unserer Gesellschaft ist. Nicht heute. Nicht morgen. Nie! Denn die Zeit des Nationalsozialismus muss für sich stehen. Hier darf nichts verwässert, verfälscht und missbraucht werden.

Unsere schon vor der Pandemie gespaltene Gesellschaft, befindet sich im Strudel der Gezeiten. Die Gräben werden tiefer, die Schere geht immer weiter auseinander. Der Zusammenhalt einer stabilen Demokratie bekommt massive Risse.

Korruptionsskandale in der Politik, die es zwar immer schon gegeben hat, versetzen dem Vertrauen in Politik Tiefschlag um Tiefschlag, nehmen immer gigantischere Ausmaße an und wirken in Zeiten einer Pandemie, in der die Menschen sich seit einem Jahr gegenseitig Solidarität, Disziplin und Kraft abringen müssen, derart deplaziert, dass Skandale bei denen viele einst vielleicht nur den Kopf geschüttelt haben, angesichts all der Strapazen, die die Bevölkerung durchmachen muss, sich wie ein Schlag ins Gesicht anfühlen! Das verursacht Enttäuschung, aus der wiederum Frustration und nicht selten Wut entstehen. Wut, die sich entladen will, Wut, die sich Wege bahnt, in der Regel in die falsche Richtung einschlägt und nicht zuletzt manchen auf Irrwegen wandeln lässt.

Es geht also nicht darum, ob eine Kanzlerin in der Lage ist de -und reumütig einen Fehler einzugestehen und um Verzeihung zu bitten, wozu, -und das will niemand bestreiten- immer auch Größe gehört. Unterm Strich bleibt dieses Desaster, das Versagen einer installierten MP-Konferenz und ihrer Kanzlerin, die schon seit Monaten kritisiert werden, weil eben keine so wichtigen und demokratischen Parlamentsdebatten zugelassen werden, ein Giftpfeil ins Herz unserer Demokratie.

Die Politik verliert weiter an Glaubwürdigkeit

Und als wäre es mit all dem nicht genug, ändert der Ministerpräsident des Saarlandes innerhalb weniger Stunden, seine Ansichten, erklärt das ganze Bundesland ab dem 6. April kurzerhand zum „Modellprojekt“ und zieht damit Unverständnis und Verärgerung, vor allem der Ministerpräsidenten Norddeutschlands auf sich, denen er in der MP- Konferenz Camping -und Ferienhausurlaube nicht hat durchgehen lassen. Auch, wenn man sich für die Gastronomie, Kultur -und Sportstätten angesichts einer Perspektive freuen möchte, bleibt ein bitterer Beigeschmack und wir kommen wieder zur Glaubwürdigkeit, die auch hier schlicht und ergreifend nicht mehr gegeben ist. Wenn PolitikerInnen, salopp formuliert, ihre Meinungen und Überzeugungen wechseln wie ihre Unterhosen und sie schneller über Bord werfen, wie mancheine(r) gucken kann!

Von Geschlossenheit und einem solidarischen Miteinander in der Bekämpfung der Pandemie, kann keine Rede mehr sein. Menschen werden weiter verunsichert. Das Infektionsgeschehen könnte außer Kontrolle geraten, denn zur Eindämmung der aktuellen Entwicklungen, ist die Mitarbeit der Bevölkerung unabdingbar. Diese Bereitschaft mitzuarbeiten schwindet aber zusehends.

Die Stimmung ist vielerorts auf dem Nullpunkt. Die Hoffnung auf ein schnelles Impfprozedere fand ein jähes Ende im Hinblick auf den eklatanten  Impfdosenmangel. Schulen im Lande befinden sich nach wie vor im Minimalbetrieb. Zu viele leiden unter finanziellen Einbußen durch Kurzarbeit oder warten nach wir vor auf zugesagte Hilfen. Schlaflose Nächte, Ängste, Sorgen um die Gesundheit Angehöriger, um die Existenz, die Zukunft ihrer Kinder, sind ständige Begleiter der Menschen und das seit einem geschlagenen Jahr. Die Menschen sind dünnhäutig geworden.

Politik in der Verantwortung

Bei allen schwerwiegenden Problemen, die unsere Gesellschaft aktuell bewältigen muss, darf eines nicht aus unserem Blickfeld geraten: nämlich dass wir bei jedweder Entscheidung auch die langfristigen Folgen für unsere Demokratie nicht aus dem Auge verlieren. Denn Maßnahmen, die vielleicht kurzfristig als Mittel der Wahl erscheinen, ebnen möglicherweise dennoch langfristig Wege in eine Richtung, die den demokratischen Prozessen in diesem Land abträglich sein könnten. Und hier verbergen sich Gefahren für die Stabilität der Demokratie in den kommenden Jahren. Wenn Menschen sich nicht mehr verstanden, repräsentiert oder gehört fühlen, das Gefühl haben sie werden einem Untertan gleich beherrscht, statt demokratisch regiert und Entscheidungsprozesse nicht mehr nachvollziehen können, drohen wir diese BürgerInnen langfristig und dauerhaft zu verlieren, mit allen fatalen und erdenklich möglichen Folgen.

Politik muss transparenter werden und authentischer um das Vertrauen der WählerInnen werben bzw. bitten. Dafür brauchen wir u.a. auch endlich ein vollumfängliches Lobbyregister und die Offenlegung sämtlicher Nebenverdienste ab dem ersten Euro. Der Öffentlichkeit muss endlich die Möglichkeit eingeräumt werden, einen Einblick in Politikbeeinflussung und Profitinteressen von Lobbyisten zu bekommen.

Die Feinde der Demokratie haben sich längst auf den Weg gemacht und wir dürfen ihnen in keiner Weise den Nährboden für ihre Saat des Misstrauens, des Hasses und der Aufwiegelung bereiten. Dafür muss die Politik endlich aufrichtiger und verlässlicher werden, die Menschen mitnehmen und zwar nicht nur von einem Kreuzchen auf dem Stimmzettel bis zum nächsten! PolitikerInnen sind in der Verantwortung und Pflicht und es somit den Bürgern und Bürgerinnen in diesem Land schuldig, dass sie im Interesse der WählerInnen handeln und nicht denen der Unternehmen.

Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen und nicht die Profite der Konzerne. Das hat mit Respekt zu tun, aber auch mit Demut, die jede(r) PolitikerIn verspüren sollte, angesichts des WählerInnenaufrags, der sich nicht zuletzt aus Vertrauen speist.

Unsere Demokratie kann nur Bestand haben und stabil bleiben, wenn wir nicht Politik für, sondern mit Menschen machen und nicht, wie jetzt, so viele auf der Strecke bleiben, frustriert resignieren und sich gar abwenden vom politischen Geschehen in Deutschland.

110. Internationaler Weltfrauentag   8.3.'21

„Frauenarbeit“ ist uns nichts wert!

 

Ich möchte den Weltfrauen(kampf)tag  dazu nutzen die Thematik der „Care-Arbeit“ weiter in den Fokus zu rücken. Wenn wir von der sogenannten „Care-Arbeit“ sprechen, unterscheiden wir die professionelle und in der Regel unterbezahlte Sorgearbeit, also die Pflege -und Erziehungsberufe, Haushalts -und Fürsorgearbeit und die private, unbezahlte Sorgearbeit, sprich Kindererziehung, Pflege von Angehörigen etc.

 

Care-Berufe werden in Deutschland zu 80% von Frauen geleistet. Dabei sind es diese als „Frauenberufe“ deklarierten Bereiche, in denen sowohl die Arbeitsbedingungen, als auch die Bezahlung nicht annähernd im Verhältnis stehen zur Verantwortung und Belastung, die dieser Berufsalltag tagtäglich mit sich bringt. Die Gründe hierfür sind eigentlich hinlänglich bekannt: Personalmangel und die ständige Taktiererei den bestehenden Fachkräftemangel durch Sparmaßnahmen und „günstiges“ Personal aus dem Ausland irgendwie abzufedern.

Auch im Privaten wird die Care-Arbeit, d.h. sämtliche im Haushalt anfallende Arbeiten sowie Kindererziehung, Pflege von Angehörigen, „Familienmanagement“ nach wie vor von Frauen getätigt. Nicht zu vergessen bzw. zu vernachlässigen ist hier auch das sogenannte „Mental Load“, d.h. organisatorische Dinge, Wissen und nicht zuletzt Verantwortung.

„Care“-Arbeit ist weder fair verteilt, noch bekommt sie in unserer Gesellschaft den Respekt, die Anerkennung und schlussendlich die daraus resultierende Bezahlung, die ihr gebührt! Diese Schieflage sorgt dafür, dass Frauen weniger Einkommen erzielen, dementsprechend auch weniger Rente bekommen und auch generell über weniger Vermögen verfügen. Auch weniger Freizeit oder Zeit für Fortbildung, folglich weniger Zeit für politische Arbeit (was wiederrum am Ende auch weniger Einfluss im gesellschaftlichen Prozess insgesamt bedeutet), ist nicht zuletzt eine Folge dieses verheerenden Teufelskreises.

 

Die Corona-Pandemie hat es uns mehr als deutlich vor Augen geführt: Care-Arbeit ist ein unerlässlicher Stützpfeiler unserer Gesellschaft. Wir alle sind oder werden -früher oder später- auf die Care-Arbeit, die andere an uns leisten angewiesen sein. Ob ein Neugeborenes das Licht der Welt erblickt, oder ein Mensch seinen letzten oftmals schweren Gang antreten muss, ob wir krank oder verletzt werden: Wir alle sind abhängig von diesen so verantwortungsvollen Arbeiten, die diese Menschen vollbringen. Was könnte also, ganz unabhängig von einer Pandemielage systemrelevanter sein, als die Care-Arbeit? Und was kann, nein, muss anderes daraus resultieren, als eine angemessene Bezahlung, aber auch eine Honorierung und Aufwertung dieser Leistung insgesamt in unserer Gesellschaft dafür?

Sorgearbeit ist systemrelevant. Und das eben nicht erst seit der Pandemie! Sie war es immer und wird es immer sein.

 

„Keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte!“, forderte die deutsche Sozialistin Clara Zetkin auf der zweiten internationalen sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen, im Jahr 1910. Ursprünglich entstand der Frauentag am 19. März 1911. Ging es ursprünglich um die Durchsetzung des Frauenwahlrechts, wurde der Internationale Frauentag in der Zeit des 1. Weltkriegs zunehmend auch eine Demonstration gegen Krieg. Nach dem 1. Weltkrieg wurde schließlich das Frauenwahlrecht 1919 in Deutschland eingeführt. Seit 1921 wird der Weltfrauentag jedes Jahr am 8. März gefeiert. Den Nazis ein Dorn im Auge, schafften sie ihn kurzerhand ab. Nach dem 2. Weltkrieg verlor der Frauentag in Westdeutschland seine Bedeutung. Gewerkschaften beteiligten sich gar nicht mehr daran und auch die SPD stellte ihre Veranstaltungen in den 60er Jahren ein. In der DDR hingegen wurde der Frauentag  ein staatlich organisierter Feiertag.

Mit der neu entstandenen Frauenbewegung Ende der 60er Jahre und ihrem Kampf um Verwirklichung der im Grundgesetz garantierten Gleichberechtigung und die Abschaffung des Paragraphen 218 wurde die alte Tradition wieder vermehrt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit in der BRD gerückt.

Noch bis 1958 durften Frauen nicht einmal ein Bankkonto ohne die Erlaubnis ihres Gatten einrichten und bis 1977 nicht ohne die Einwilligung des Mannes arbeiten. Was heute undenkbar scheint, war viel zu lange die Lebenswirklichkeit von Frauen in unserer Gesellschaft und hat diese maßgeblich geprägt.

1977 erkannte die UN-Generalversammlung dann den 8.März offiziell als Internationalen Frauentag an.

Doch wenngleich einiges erreicht und auf den Weg gebracht wurde, so sprechen die Fakten und Zahlen nach wie vor eine ganz eigene Sprache, wenn es um die Gleichberechtigung von Frauen geht:

 

-100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts ist das deutsche Parlament so männlich wie seit 20 Jahren nicht mehr. Nur ein Drittel der Abgeordneten sind weiblich!

-Sogenannte „Frauen“-Berufe sind immer noch schlecht bezahlt!

-Frauen verdienen im Schnitt 20% weniger als ihre männlichen Kollegen!

-Altersarmut ist weiblich.

-Frauen haben weniger Chancen Karriere zu machen!

-Frauen haben nach wir vor Schwierigkeiten Beruf und Familie zu vereinen!

-64 % der Deutschen, die Angehörige pflegen sind Frauen.

-80% beträgt der Anteil von Frauen in Pflegeberufen

-2.174.000 alleinerziehende Mütter (Vergleich Männer: 407.000)

-Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaft gehen mehr als 90% Frauen in Elternzeit.

-Über 4 Stunden unbezahlte Care-Arbeit leisten Frauen pro Tag (Gutachten Gleichstellungsbericht des Familienministeriums)

-30% höheres Risiko sich bei Verkehrsunfällen schwer zu verletzen laut ADAC: Crash Test Dummies sind auf die männliche Anatomie ausgelegt!

-Geschlechterunterschiede werden in der Medizin (Medikamententests), auch in der ärztlichen Ausbildung kaum berücksichtigt. Medikamente sind für Frauen weniger sicher.

-Jede 3. Frau wird Opfer physischer oder sexualisierter Gewalt.

-Jede Woche sterben in Deutschland drei Frauen durch ihren (Ex)partner.

-98,1 % der Opfer von Vergewaltigung,  und sexuellen Übergriffen in Partnerschaften sind weiblich.

-79,5% der Opfer von Körperverletzung in Beziehungen sind weiblich.

-76,4% der Opfer von Mord / Totschlag sind Frauen.

Die Liste ließe sich weiter fortsetzen.

 

Fakt ist: Frauen sind nach wie vor in Deutschland, aber auch weltweit erheblich benachteiligt alleine wegen ihres Geschlechts. Durch die Corona-Pandemie und dem daraus resultierenden Lockdown, machen viele Frauen eine „Rolle rückwärts“ und kümmern sich vermehrt um Kinderbetreuung und Homeschooling. Auch hier zeigt sich, dass die Frauen den Löwenanteil schultern.

Der Gender Pay Gap, also die Lohnlücke zwischen den Geschlechtern muss endlich geschlossen werden! Das Ehegattensplitting muss abgeschafft werden, da es den modernen Familienkonstellationen nicht gerecht wird und Frauen zudem in die „Minijobfalle“ treibt! Pflegeberufe müssen endlich angemessen bezahlt werden. Care-Arbeit jeglicher Arbeit muss endlich in und von unserer Gesellschaft honoriert und entlohnt werden, denn sie ist eine tragende Säule im gesellschaftlichen Leben aller und darf nicht zu Altersarmut führen. Hierzu muss eine solidarische Mindestrente eingeführt werden, die auch die private Care-Arbeit angemessen berücksichtigt. Wir brauchen dringend dreimal so viele Frauenhäuser, um allen von Gewalt und Nötigung bedrohten Frauen helfen zu können. (350 Frauenhäuser in Deutschland /7.000 Plätze.)

Auch hier verschlechterte sich die private Situation von Frauen während der Pandemie. 7,5% der Frauen berichten von körperlicher Gewalt. Es fehlt an dringend notwendigen finanziellen Investitionen für Frauenhäuser.

Auch nach 100 Jahren Frauen(kampf)tag bleibt festzuhalten, dass es nach wie vor viel zu tun gibt, um die Benachteiligung von Frauen eines Tages der Vergangenheit angehören zu lassen.

 

Wir Frauen müssen uns solidarisieren, um verkrustete von Männern dominierte Strukturen ein für alle Mal aufzubrechen und unsere Zukunft gleichberechtigt gestalten zu können.

 

Mein Text "Kein Kinderspiel! Familien fühlen sich in der Krise alleingelassen." ist als Titelstory im Online-Magazin "links-bewegt" von Die Linke erschienen.  Wenn Sie auf die nachstehende Schaltfläche klicken, gelangen Sie zum vollständigen Text:

 

 

Wie lange will Deutschland sich den Skandal der Kinderarmut noch leisten?

 

Jedes 5. Kind in Deutschland ist arm oder von Armut bedroht.
Das sind 3 Millionen Kinder und Jugendliche. Noch immer kann nicht einmal annähernd von einer Chancengleichheit die Rede sein! Kinderarmut in Deutschland hat längst eine Dimension erreicht, der wir anders begegnen müssen als mit geringfügigen Kindergelderhöhungen, Kinderzuschlägen oder Erhöhungen der Regelsätze in der Grundsicherung.
Wir brauchen eine gestufte Kindergrundsicherung, die allen Kindern ein Existenzminimum garantiert.
Alle Kinder müssen uns gleich viel wert sein! ABER:
Eine Kindergrundsicherung muss auch sozial gerecht, bzw. der finanziellen Leistungsfähigkeit der Eltern entsprechend ausgestaltet werden. Das bedeutet: Kinder und ihre Familien erhalten einen Mindestbeitrag, der in etwa der maximalen Entlastung durch die Kinderfreibeträge entspricht.
Wichtig wäre hier: je geringer das Familieneinkommen ist, desto höher muss der Betrag der Kindergrundsicherung ausfallen! Mit dem Werkzeug der Kindergrundsicherung ließen sich zielgenau eben jene Stellschrauben drehen, die eine echte Chancengleichheit ermöglichen können und Kinderarmut in Deutschland zielgerichtet, nachhaltig und vor allem langfristig bekämpfen würden.
Die Kindergrundsicherung muss allerdings zwingend einhergehen mit einem Bildungs -und Erziehungssystem, das allen die Möglichkeit einer guten Bildung garantiert, so dass kein Kind oder Jugendlicher auf der Strecke bleiben muss. Das gesamte Bildungs und Erziehungssystem muss gebührenfrei werden!
Kostenfreie Bildung muss zusätzlich zu einer bedarfsorientierten Kindergrundsicherung garantiert und gewährt werden. Hierzu zählt das kostenlose zur Verfügung stellen von Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien genauso, wie eine gebührenfreie Mahlzeit für alle Schul -und KITAkinder. KITAplätze müssen deutschlandweit kostenlos sein.
Zahlreiche Studien belegen die in unserer Gesellschaft dominierende und herrschende Ungleichheit, die uns vom Tage unserer Geburt unser Leben diktiert.
Bereits vor der Corona-Krise war mehr als jedes 5. Kind in Deutschland von Armut betroffen. Wir haben hier ein ungelöstes strukturelles Problem, das es endlich zu lösen gilt. Vor allem Familien im SGB II -Bezug, sind in den Bereichen Mobilität, Freizeit und soziale Teilhabe abgehängt.
Der Alltag von Kindern und Jugendlichen in Armut, ist geprägt von Scham und Begrenzung und schafft oftmals früh eine Perspektivlosigkeit.
Kinder schämen sich ihre Freunde mit nachhause zu bringen, weil sie entweder über kein eigenes Zimmer verfügen und wenn doch im Mangel leben, der sich natürlich spätestens in den eigenen Vierwänden nicht mehr verbergen lässt. Unternehmungen im Freundeskreis werden gemieden, weil die Eltern kein Geld für einen Kino oder Eisdielenbesuch übrig haben. Geburtstagseinladungen werden nicht angenommen, weil man in die Verlegenheit käme, kein Geschenk mitbringen zu können. Ein kaputtes Paar Schuhe kann in solchen Familien schon das Monatsbudget sprengen. Die Kinder schämen sich, wissen um ihre prekäre Lage, erleben Ausgrenzung, Scham und sogar Gewalt. Die angespannte Situation zuhause trägt dazu bei, dass solche Kinder schon viel zu früh, viel zu belastet sind und dem Leben oftmals nicht mehr optimistisch und positiv gegenüber stehen können, denn sie erleben ja tagtäglich die Sorgen und Nöte der Eltern.
Verschärfung durch die Coronakrise
Erste Studien belegen, dass die Coronakrise, die Situation noch verschärfen wird. Denn es sind eben die Eltern jener Kinder, die die Krise besonders hart trifft, arbeiten sie doch häufiger in Teilzeit oder Minijobs, oder in Berufen, die von Kurzarbeitergeld betroffen sind oder es erst gar nicht erhalten! Ein Aufwachsen in Not und ständigen Existenzängsten.
Kinder müssen raus aus der Stigmatisierung des Hartz IV Systems! Wir brauchen jetzt eine Investition in die Zukunft dieser Kinder, um gezielt Familien und Alleinerziehende mit niedrigerem Einkommen zu unterstützen und zu entlasten. Ziel muss eine bedarfsorientierte Kindergrundsicherung sein.
Ein Land, das bereit ist Milliarden zur Rettung von Konzernen auszugeben, die ihrerseits tausende Mitarbeiter entlassen oder Unsummen an Boni und Dividenden auszahlen, sollte sich die Frage stellen, was ihm die Zukunft einer ganzen Generation wert ist? Wie lange wollen wir uns diesen unsäglichen Skandal der Kinderarmut noch leisten?
Arm, ist hier nämlich vor allem eins: Eine Politik, die es Jahr für Jahr zulässt, dass Millionen Kinder in Deutschland weiterhin abgehängt und benachteiligt werden. Jedes Kind hat eine faire Chance auf ein Leben in Teilhabe, Würde und mit einem Recht auf Bildung verdient.
„Kinder sind unsere Zukunft“, eine vielbeschworene, gern getätigte Aussage. Dann müssen wir auch bereit sind in diese Zukunft zu investieren.

Warum "der Flüchtling" der Armutsrenterin nichts wegnimmt.

 

Es ist für viele nichts Neues, wenn ich schreibe, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht. Diesen Satz hört man eigentlich beinahe täglich. Sowohl die Kinderarmut, als auch die Altersarmut in unserem Land sind brutale Realität. Jede(r) zweite(r) Rentner*in bezieht in Deutschland eine monatliche Rente von weniger als 900€. Die durchschnittliche Altersrente für Frauen beträgt 786 Euro, wobei viele Frauen und Männer nicht einmal auf diese Rentenhöhe kommen. Mehr als eine halbe Million Rentner*innen sind auf Grundsicherung im Alter angewiesen, weil ihre Rente nicht zum Leben reicht. An einen würdevollen und verdienten Lebensabend ist nicht zu denken. Vor allem Frauen sind besonders betroffen, sind sie es doch in der Regel, die im Niedriglohnsektor und/oder in Teilzeit gearbeitet, Kinder großgezogen und Angehörige gepflegt haben. 20,8 Millionen Rentner*innen leben in Deutschland. Jeder Fünfte ist von Armut und somit von sozialer Ausgrenzung bedroht. Und auch die durchschnittlichen Neurenten sinken weiter. Das bedeutet, dass sich das Problem Altersarmut in Zukunft weiter verschärfen wird!

 

 

Die teuersten Flüchtlinge sind die Steuerflüchtlinge

Wer nun meint, dass man den betroffenen Rentnern und Rentnerinnen nicht erklären kann, wie man hohe Summen für Migranten und Migrantinnen ausgeben kann, während sie ihren kärglichen Lebensabend fristen müssen, der sollte vielleicht mal ein Blick auf andere Zahlen werfen. Die Kosten, die der Bund zur Versorgung und Förderung anerkannter Flüchtlinge im Hartz IV -System aufbringt ( 400.000 Haushalte in den 1 Millionen Erwachsene und Kinder leben), belaufen sich auf etwa 4 Milliarden Euro pro Jahr. Weitere 3 Milliarden Euro werden unmittelbare Integrationsleistungen des Bundes veranschlagt. Hinzu kommen noch Hilfen für die Länder in Höhe von 6 Milliarden Euro. Die Länder steuern knapp 5 Milliarden Euro bei. Die Ausgaben sind aber stark rückläufig. Für die Zukunft sind z.B. Kostenpauschalen geplant. Demnach würde jedes Land für jeden Flüchtling einen Betrag von 16.000 € bekommen, der auf 5 Jahre gestreckt werden soll.

Und werfen wir nun mal einen Blick auf die Steuerflucht. Deutschland verliert alljährlich schätzungsweise 100 -125 Milliarden Euro an Steuereinnahmen durch Steuerhinterziehung und liegt damit EU-weit auf Platz 2 gleich nach dem Spitzenreiter Italien (190 Milliarden). Steuerhinterzieher werden nur milde bis gar nicht belangt, wenn sie Steuerpflicht mit einer Nachzahlung „abgelten“. Ladendiebstahl wird da schon anders geahndet.

100 bis 125 Milliarden Euro im Jahr: Das macht 1.250 Euro pro Bürger. Übrigens bietet kein anderes Land so viele Möglichkeiten zur Steuerhinterziehung wie Deutschland! EU-weit sprechen wir von 825 bis 1.000 Milliarden Euro pro Jahr! Das muss man sich wahrlich mal auf der Zunge zergehen lassen. Das ist ungefähr das Fünffache des jährlichen EU-Haushalts. 60 Milliarden gehen auf das Konto von Konzernen, die ihre Gewinne in Steueroasen verschieben. 46 Milliarden Euro pro Jahr sind auf Mehrwertsteuerbetrug durch Konzerne zurückzuführen.

Wie erkläre ich es der Armutsrentnerin?

Kann man die Kosten für Flüchtlinge einem / einer armen Rentner / Rentnerin erklären? Nun ich denke, jeder der behauptet, das sei nicht möglich, muss entweder unsere Rentner und Rentnerinnen für blöde halten, oder hat es gar nicht erst versucht! Denn warum wird immer und immer wieder bevorzugt die Mär vom Flüchtling erzählt, der so viel kostet, aber nie die horrenden Summen, die uns allen durch Steuerflucht verloren gehen? Den Rentner*innen, den Kindern, Familien, den Kranken, einfach uns allen.

Vielleicht sollte man sich mal die Mühe machen, den finanziell Schwächsten in unserer Gesellschaft diese Zahlen zu nennen, statt Vorurteile zu schüren. Grundlegend gilt es zu begreifen: Dieses kapitalistische System beutet uns alle aus! Während die Gutbetuchten selbst jetzt in der Krise den Reibach machen, werden so viele andere, die sich schon zuvor abstrampelten, endgültig abgehängt. Viele Existenzen stehen vor dem Aus. Und wieder sind es die Wohlhabenden, die ihre Schäfchen ins Trockene bringen, während wir alle zusehen können, wo wir bleiben. Laut einer Studie der Beratungsgesellschaft PWC stieg das Nettovermögen der ultrareichen Deutschen bis Ende Juli auf mehr als 594 Milliarden Dollar. Im März 2019 waren es noch knapp 500 Milliarden Dollar.

Während wir uns um die Zukunft unserer Familien sorgen und Viele zunehmend von Perspektivlosigkeit ergriffen werden. Hoffnungslosigkeit macht sich unter den Menschen in Deutschland breit. Und gewisse Kräfte bieten einfache Lösungen an, wie eben das Märchen vom uns ewig schröpfenden Flüchtling. Es gibt Dinge, die können wir nicht aufwiegen. Zum Beispiel Menschenrechte. Wir leben in einer Gesellschaft, in der eben nicht berechnet wird, ob es sich denn noch lohnt, Alte, Kranke und Schwache weiterhin „durchzufüttern“ und gesundheitlich zu versorgen.

Unsere Aufgabe als LINKE

Denn würden wir die Denke, dass Hilfsbedürftige uns etwas wegnehmen, weiterspinnen, kämen wir schnell an den Punkt, an dem „der Flüchtling“ gedanklich ausgetauscht werden könnte durch „der Kranke“, der „Behinderte“oder der „Alte“. Wer wird in Zukunft bestimmen, für welche Menschen(rechte) und eben auch Werte, Geld ausgegeben werden darf? Wo führt uns das hin? Kommt uns das bekannt vor? So werden Ideologien geboren!

Man kann die Ärmsten nicht verurteilen, wenn sie in ihrer Verzweiflung, Not und Perspektivlosigkeit den „Rattenfängern“ der Republik in die Arme laufen, doch sollte es eben unsere Aufgabe als LINKE sein, für eben jene Menschen da zu sein und ihnen, wenn es um die Fragen geht, „warum bekommen die so viel und ich so wenig“, oder „warum bekommen die überhaupt etwas, während ich mein Leben lang hart geschuftet habe?“ andere Perspektiven zu eröffnen, und vor allem unentwegt auf eben jene zu zeigen, die unsere ganze Gesellschaft um Milliarden betrügen! Das Kind immer und immer wieder beim Namen nennen, muss unsere Aufgabe sein, um die Schwächsten zu einen und nicht zu spalten.

Nicht an der Legendenbildung vom „teuren Flüchtling“ mitwirken

Wir müssen immer wieder rufen: Lasst euch nicht hinter ’s Licht führen, von denen, die es sich allzu gemütlich gemacht haben und gerne dabei zusehen, wie die Schwachen „da unten“ sich gegenseitig die Köpfe einschlagen. Denn wer gegeneinander kämpft, wird keine Kraft mehr übrig haben, nach oben zu sehen und sich gegen die wahren Verantwortlichen zu erheben.

LINKE, die die Legendenbildung vom „teuren Flüchtling“ weiterhin betreiben, handeln verantwortungslos und treiben die Leute weiter nach rechts, statt ihnen reinen Wein einzuschenken. Das ist schäbig, erbärmlich und hilft niemandem. Wer glaubt, linkes Denken beinhalte auch das Aufwiegen und nicht zuletzt Aufstacheln Armer gegeneinander, hat offensichtlich zu selten, wenn überhaupt, über den Tellerrand geschaut.

Hier möchte ich auf den internationalen Sozialistenkongress von 1907 verweisen. Dort trafen sich in Stuttgart fast 900 Delegierte von 25 sozialistischen Parteien. Es wurde eine Resolution verabschiedet zum Thema Ein -und Auswanderung. An der Resolution dieses Kongresses arbeiteten Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Wladimir Iljitsch Lenin mit.

Wir sind für alle Armen und Ausgegrenzten da

Es gilt also damals wie heute: solidarisch zusammenzustehen! Wir LINKE müssen uns für alle Armen und Abgehängten einsetzen. Hier kommt uns vor allem die Verantwortung zu, den Blick der Menschen zu schärfen, für die tatsächlichen Ursachen von Armut in unserem Land. Gemeinsam zusammenstehen gegen ein System, dass die Menschen immer weiter in die Perspektivlosigkeit treibt und ausnimmt, wie Weihnachtsgänse. Gegen eine Politik, die immer nur im Interesse der Vermögenden agiert und uns abspeist bei jeder Gelegenheit. Dass uns Chancengleichheit vorgaukelt, die es einfach nicht gibt. Dass uns weismachen will, jeder kann es schaffen, wenn er sich nur genug anstrengt. Ein System, das seine ganz eignen Spielregeln aufgestellt hat, so dass wir immer nur verlieren können! Lasst euch nicht ausspielen, seid kritisch, hinterfragt und richtet euren Blick auf jene, die vom Staat gebauchpinselt werden.

Milliarden für Konzerne, die Mitarbeiter entlassen, Dividende ausschütten und Boni einstreichen, gesponsert von uns allen. Konzerne, die Menschen ausbeuten, moderne Lohnsklaven, Werksverträge, Leiharbeit. Alltag in Deutschland. Die ungerechte Verteilung der Vermögen gefährdet unseren sozialen Frieden und somit auch unsere Demokratie. Es gilt, an der Seite aller Schwachen zu stehen! Lassen wir diese Menschen nicht allein und vor allem: Schenken wir ihnen reinen Wein ein.

Katja Richter aus dem Kreisverband Merzig-Wadern/Saarland, Kommissarische Kreisschriftführerin KV Merzig-Wadern und stellvertretende Vorsitzende DIE LINKE. Düppenweiler.


 

Stellungnahme:

Anlässlich des am 5. Oktober in der „Saarbrücker Zeitung“, erschienen Berichts, in dem sich die Linksfraktion im Saar-Landtag, in der Flüchtlingsfrage geschlossen hinter den Vorsitzenden Oskar Lafontaine gestellt hat, möchte ich mich öffentlich davon distanzieren und meinen Unmut über diese erbärmliche Haltung kundtun!

Als überzeugte Antifaschistin halte ich es nicht nur für unwürdig, bestimmte Bevölkerungsgruppen gegeneinander auszuspielen und aufzuwiegen, sondern geradezu für fahrlässig, gefährlich und absolut fatal angesichts der aktuellen Entwicklungen in unserem Land. Dass wir schon längst nicht mehr „nur“ von einem Rechtsruck sprechen müssen, in einem Land, in dem rechte Netzwerke ihre Wurzeln immer weiter in die Mitte der Gesellschaft schlagen und institutioneller Rassismus immer stärker vorherrscht, zeigt doch, wie sehr rechte Saat immer wieder auf fruchtbaren Boden fällt.

Dass die Rentner*innen  in Deutschland an ihrem Lebensabend verarmen, liegt ganz sicherlich nicht an den Kosten, die wir für Flüchtlinge aufbringen. Oskar Lafontaine sollte es besser wissen. Und selbstverständlich kann man einer von Armut bedrohten Rentnerin das auch entsprechend vor Augen führen. Wenn Frauenberufe nach wie vor schlechter bezahlt sind, wenn Kindererziehung immer noch ein Privatvergnügen darstellt und Frauen gerade in der Vergangenheit Familie und Beruf schlicht nicht miteinander vereinbaren konnten, weil die dafür notwendigen Strukturen unterentwickelt oder gar nicht erst vorhanden waren, dann wird schnell deutlich, warum wir in einem so reichen Land neben einer immer weiter anwachsenden Kinderarmut eben auch eine steigende Altersarmut haben, die schlicht und ergreifend erbärmlich und unwürdig ist.

Dass sich Oskar Lafontaine mit jemandem wie Thilo Sarrazin, dessen „Best of“ -Zitate einem die Haare zu Berge stehen lassen, zu einer gemütlichen Diskussionsrunde zusammensetzt, ist für mich nicht nur völlig indiskutabel sondern ein Schlag ins Gesicht einer linken Partei, die aus vielen Mitgliedern besteht, die unermüdlich den Kampf gegen diese rechten Vorurteile antritt.

Die DNA einer linken Partei besteht nun mal auch aus einer antifaschistischen Haltung. Wer das nicht einsehen kann oder will, sollte darüber nachdenken, ob er sich noch in der für ihn richtigen Partei befindet!

Normalerweise ist es mir wichtig, im Sinne der Partei öffentlich Einheit oder Einvernehmen zu demonstrieren. In diesem Fall nun, ist es mir allerdings unmöglich geworden und ich möchte, dass meine Freunde, Bekannte und alle anderen Menschen, die mich kennen, wissen, dass ICH mich eben NICHT einreihe und hinter einen Mann stellen werde, der in meinen Augen das Ansehen der Partei in der Öffentlichkeit erheblich beschädigt. In den kommenden Jahren steht Deutschland, insbesondere auch unser Saarland vor extremen Herausforderungen. Das Saarland wird eine starke, einige Linke brauchen. Was wir nicht brauchen ist jemanden, der die Partei immer wieder tief spaltet und nicht einmal Skrupel besitzt am rechten Rand auf Stimmenfang zu gehen. Oskar, ich schäme mich für dich.

Ich appelliere inständig an die Mitglieder der saarländischen Linksfraktion, dieses Spiel nicht mehr länger mitzumachen! Vor allem Dennis Lander, der sowohl im Sprecher*innenrat der Linksjugend saar, als auch  in der Landtagsfraktion vertreten ist, möchte ich dringend ans Herz legen, nicht gegen die eigenen Überzeugungen zu handeln, sondern aufzustehen und Rückgrat zu beweisen, im Sinne einer glaubhaften Zukunft der Linksjugend und der gesamten Partei. „Das Herz schlägt links“?! Manchem scheint es eher in die Hose gerutscht zu sein.

Ich verurteile den „Auftritt“ Lafontaines aufs Schärfste. Das Statement der Landtagsfraktion, das Einheit in der Flüchtlingsfrage mit Oskar Lafontaine bekundet, finde ich erbärmlich, peinlich und stellt nur ein weiteres unwürdiges Schauspiel dieser Fraktion dar.

Antifaschismus ist ein Grundpfeiler dieser Partei. Und den kann auch ein Oskar Lafontaine mit seinem Gefolge, in Form der Landtagsfraktion nicht einreißen.

Die Parteijugend, ist die Zukunft der Partei! Gut, dass sie genug „Eier“ in der Hose hat, einem solchen Fraktionschef, wie Oskar Lafontaine, Paroli zu bieten. Oder, Dennis Lander?

Liebe Genossen und Genossinnen, ich bedanke mich für eure Aufmerksamkeit und Geduld. Als Letztes möchte ich euch noch versichern, dass ihr in mir, als Mitglied im VVN-BDA, immer einen zuverlässigen Verbündeten finden werdet im Kampf gegen Faschismus, Rassismus und Antisemitismus!

Katja Richter

 In was für einem Europa wollen wir leben?

Vor wenigen Tagen ist das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos den Flammen zum Opfer gefallen. Seit Tagen ist damit einmal mehr ein Streit und eine endlose Diskussion in der EU-Politik entbrannt. Während Österreich und die Niederlande gleich mal die Ansage machen, auf gar keinen Fall Flüchtlinge ins eigene Land zu lassen, betreiben Deutschland und Frankreich Erbsenzählerei und wollen uns die gemeinsame Aufnahme von 400 minderjährigen Flüchtlingen schmackhaft machen.

Diese elende Abschottungspolitik Europas ist einfach nur gewollt. Machen wir uns nichts mehr vor, diese Tage führen uns doch einmal mehr vor Augen, dass diese Menschen schlichtweg in unserem Europa des Wohlstands unerwünscht und ungewollt sind!

Und wisst ihr was, ich bin die ewig gleichen Kommentare unter den Berichten zum Thema Moria von wegen „Man muss erst einmal etwas im eignen Land tun, für die eigenen Leute usw.“ mehr als leid. Es sind die immer gleichen Plattitüden: „Wir können nicht die ganze Welt retten, Deutschland kann nicht immer alles alleine machen“, „Dann setzt sie doch in euer Wohnzimmer“ usw. usw.

Ich frage mich, was für ein Mensch muss man sein, dass man ernsthaft glaubt, dass 13.000 Flüchtlinge in Not, die zu uns ins Land kämen, ins Gewicht fielen? Die gleichen Leute, die sich darüber empören, wie man auch nur auf die Idee kommen könne noch mehr „junge Männer“, ins Land zu lassen, sind eben NICHT diejenigen, die aufstehen gegen Lohndumping, gegen Werksverträge, gegen Mindestlöhne die ihren Namen nicht verdienen, gegen erbärmliche Renten, gegen Kinderarmut in Deutschland, gegen beschissen bezahlte Pflegekräfte, gegen Leiharbeit und prekäre Beschäftigung, gegen die Rettung von Konzernen, die im Anschluss an ihre staatliche Rettung Mitarbeiter entlassen und Dividenden auszahlen. Vom Steuerzahler subventioniert und finanziert! Würden also all diejenigen, die so laut in den sozialen Medien herumschreien, dass wir diese Menschen nicht aufnehmen können, weil wir an die Menschen im eigenen Land zuerst denken müssen, wirklich etwas für die „eigenen Leute“ tun wollen, dann würden sie dafür sorgen und sich dafür einsetzen, dass die Menschen aus ihren prekären Arbeitsverhältnissen rauskommen. Wo seid ihr denn? Da hört und sieht man nämlich nix von euch!

Es geht doch in dieser Diskussion schon lange nicht mehr, um die Flüchtlinge, sondern schlicht und ergreifend um die Frage:

In was für einer Welt und in was für einem Europa, wollen wir in Zukunft leben?

In den kommenden Jahrzehnten steht die gesamte Menschheit vor gigantischen Umbrüchen und Veränderungen, auch in Folge der Klimaveränderungen wird die Thematik „Flüchtlinge“, an Brisanz weiter zunehmen. Mauern wir uns wirklich ein in einer Wohlstands-EU, bauen diese Festung weiter aus? Stehen eines Tages dann Selbstschussanlagen an den Außengrenzen, oder wie gedenkt man sich in der Zukunft der Flüchtlinge entledigen zu wollen? Zu utopisch? Ich befürchte nicht, denn wer wissentlich und willentlich in Kauf nimmt, dass Menschen in Not auf der nackten Straße, verhungern, verdursten und vegetieren, darunter ein Drittel Kinder, für den wiegt das Leben dieser Menschen nicht schwer. Wer Menschen in Seenot ertrinken lässt und so pervers ist, dass er den Rettern die Rettung verbietet, der kalkuliert den Tod wissentlich ein und das ist nicht nur eine Schande für Europa, das ist ein Verbrechen. Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, verübt von einer Gesellschaft, die sich für human hält. Verübt von einer verbrecherischen Politik, die sich für überlegen hält.

Diese Abschottungspolitik wird leider von zu vielen Menschen mitgetragen.

Mir sind schon Menschen begegnet und das meine ich absolut ernst, denen Tierschutzhunde wichtiger waren, als Flüchtlinge und die jeden Hund aus dem Meer gefischt hätten, aber keinen Flüchtling! (Bitte nicht falsch verstehen, Tierschutz ist wichtig und es gibt genug arme Seelen, denen geholfen werden muss) Aber wenn ich so etwas erlebe, frage ich mich, was hier alles schiefgelaufen ist in den letzten 15 Jahren? Der Hass auf diese Menschen in Not, die vor Krieg, Terror, Elend und Perspektivlosigkeit geflohen sind, scheint keine Grenzen zu kennen. Sprüche wie: „wir holen die jetzt und morgen vergewaltigen die unsere Frauen“, sind mittlerweile an der Tagesordnung in Deutschland. Unverblümt wird sowas rausgehauen. Man sagt inzwischen Dinge, die man früher „nur“ gedacht hat und nennt das Kind beim Namen. Die AfD ist längst salonfähig geworden und mit ihr eben jene Hemmungslosigkeit offen gegen Minderheiten zu hetzen und mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg zu halten. Stattdessen muss man sich rechtfertigen und sieht sich zahlreichen Anfeindungen ausgesetzt, wenn man für etwas eigentlich Selbstverständliches eintritt: Für die Menschenrechte und nicht zuletzt für eine Nächstenliebe. Ein Bundesinnenminister, der sich traut, das Wort „Nächstenliebe“ überhaupt in den Mund zu nehmen und zu Weihnachten wieder in einer bayerischen Kirche in der ersten Reihe hockt. An Scheinheiligkeit kaum zu überbieten.

In was für einer EU wollen wir leben?

In einer EU, in der Deutschland die Ratspräsidentschaft inne hat, gelingt es nicht, alle Partner an einen Tisch zu bringen und eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten? Alle wollen in den Topf reinlangen, aber Verantwortung und Pflichten übernehmen? Nein danke! Was für ein lächerliches System! Während Deutschland und Frankreich also quasi „Erbsen zählen“ und eine Zahl von 400 minderjährigen Flüchtlingen aufnehmen wollen, winken Österreich und die Niederlande einfach gleich mal ab!? Was soll diese EU denn wert sein? Jede Gruppe von Kindergartenkindern, schafft es sich einig zu werden, aber dieser Laden, der sich Europäische Union schimpft, nicht? Das ist einfach nur noch lächerlich, peinlich und zeugt von einer Unfähigkeit und einem Versagen, die ihresgleichen suchen.

Und während wir reden, diskutieren, posten und streiten, was zu tun ist, harren diese notleidenden geschundenen Menschen ohne Obdach und Versorgung aus. Nichts mehr ist ihnen geblieben und nun bleibt ihnen nicht mal die Hoffnung auf das Erbarmen eines Europa, das jedes Jahr tonnennweise an Lebensmitteln für die Tonne produziert und den großen Unternehmen, das Geld hintenreinbläst. Ein Europa, dass sich offensichtlich allesmögliche leisten kann, nur keine Mitmenschlichkeit mehr. Denn die Regierungen Europas wollen nichts mehr abgeben von ihrem Wohlstandskuchen. „Fett“ und träge sind die Regierungen geworden.

Europa begeht gerade ein Verbrechen, das in die Geschichtsbücher Einzug halten wird. All jenen, die ernsthaft glauben, die Flüchtlinge könnten ihnen etwas wegnehmen, sei gesagt: Nicht diese paar armen Menschen nehmen euch etwas weg, sondern eine Regierung, die Milliarden verschleudert für Projekte wie die PKW-Maut, deren Scheitern von vornherein in Kauf genommen wurde, die Rettung von Unternehmen, die munter weiter Mitarbeiter entlassen und Boni auszahlen. Achja und dann wären da auch u.a. noch die Steuerhinterzieher. All diese Milliarden und dann diskutieren wir über Aufnahme und Unterbringung von 13.000 Menschen oder mehr!

Ich fordere die Verantwortlichen auf endlich zu handeln! Nehmt diese Menschen jetzt auf ohne wenn und aber. Asylrecht, ist ein Menschenrecht! Die EU verstößt gegen die Menschenrechte, wenn sie nicht für eine humane Unterbringung und Aufnahme dieser Menschen, sorgt. Ihr alle, die ihr blockiert und verweigert, eure Namen werden unrühmlich in die Geschichte eingehen. Eure Enkel werden sich eurer schämen, denn sie werden die Generation sein, die begreifen wird, dass wir alle in einem Boot sitzen. Eine Menschheit, die von Klimakatastrophen heimgesucht wird und die vielleicht nirgendwo mehr, vor deren Auswirkungen sicher sein wird. Auch nicht in Europa. Schon übermorgen können wir auf der Flucht sein, vor Hunger, Durst und Naturkatastrophen.

Noch wähnen wir uns sicher. Der Tag wird kommen, an dem sich all das ändert.

Auch heute Nacht werden die verzweifelten Flüchtlinge auf Lesbos unter freiem Himmel verbringen, abgeschnitten von ausreichender Versorgung. Mütter, die ihre traumatisierten Kinder in den Schlaf wiegen, Väter, die ihre erschöpften Familien versuchen zu versorgen. Kinder, die in den nächtlichen Sternenhimmel blicken und sich fragen, was sie getan haben, dass niemand sie haben will. Die den Glauben an das Gute verloren haben und deren Zukunft ungewiss ist. Ungewiss in einem Europa, das auf der Fußmatte seiner Haustür besenrein kehren will, um die Tür weiter zu verriegeln und zunageln zu können.

Ihr seid nicht mein Europa! Ihr seid Verbrecher und eine Schande für die Welt. Ihr sprecht nicht in meinem Namen und nicht im Namen so vieler anderer Menschen.

Evakuiert Moria. Jetzt!

 

Katja Richter 

September 2020

 

#WirHabenPlatz #moriaevakuieren #leavenoonebehind #moriabrennt #nichtmeineuropa #seebrückestattseehofer #opentheborders

Deutschland windet sich im Griff der EU.

 

1553. Eine Zahl.

 

1553 Menschenleben.

 

1553 Schicksale.

 

1553 mal Hoffnung.

 

1553 mal Erbarmen.

 

408 Familien. 

 

Das klingt schon anders, oder?

 

Und der Rest?

 

Deutschland ringt mit der EU, aber nicht zuletzt mit sich selbst!

 

Zusätzlich zu den 150 unbegleiteten Minderjährigen ist die deutsche Regierung also nun bereit 1553 weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Die Anzahl der Menschen, die von den griechischen Inseln zu uns kommen dürfen, wurde nun nach zähem Ringen und nicht zuletzt unter dem Druck der Öffentlichkeit, nach oben „korrigiert“. Ein bisschen gleicht dieses Schauspiel einer Salamitaktik. Bloß nicht zu viele reinlassen, aber dann doch auch nicht so ganz herzlos beim Rest der Bevölkerung dastehen wollen? Eine Art Beschwichtigung, Besänftigung? Und wer sind denn nun die „Glücklichen“, deren Martyrium ein Ende finden soll? Die FAZ schreibt hierzu:

 

„Die Menschen sollen offenbar nach objektiven Kriterien ausgesucht werden, um „unkontrollierte Folgewirkungen“ zu vermeiden. Aufgenommen werden sollen Familien und anerkannte Asylberechtigte.“

 

Einfühlsam und versöhnlich gibt sich derweil die Bundeskanzlerin, als sie vor die Presse tritt. Zumindest diese zusätzlichen 1553 Menschen, erhalten eine Art „Gnade“ und „Erbarmen“, seitens Deutschlands. Auch wenn immerhin diese Menschen nun auf ein besseres Leben hoffen können, Zuversicht oder Freude über 1553, will sich bei mir dann nicht einstellen. Es sind nämlich schlichtweg nach wie vor viel zu wenige, denen wir Zuflucht gewähren. Ich habe das Gefühl die Regierung schmeißt uns ein „Goodie“ zu, „da nehmt jetzt, seid ruhig und quengelt nicht weiter rum“. Mitleid mit 1553. Und die anderen? Nach uns die Sintflut? Moment! War da nicht noch was? Achja….dieser Club. Ähm diese EU meine ich natürlich, da sind wir ja gar nicht alleine drin. Na mal sehen, ob „die anderen“ es dann richten werden. Unwahrscheinlich. Und wer war da noch? So widerspenstig, wie „Klein-Gallien“ in Asterix? Die Bundesländer! Die Bundesländer proben tatsächlich weiterhin den Aufstand. Sollte der Förderalismus eines Tages doch noch zu etwas gut sein? Denn Berlin und Thüringen wollen noch diese Woche eine Initiative zur Gesetzesänderung in den Bundesrat einbringen, so dass sie künftig nicht mehr von dem Wohlwollen eines verbohrten Innenministers abhängig sein würden. Sie könnten dann eigenmächtig beschließen, Flüchtlinge aufzunehmen. Die Initiative wurde übrigens schon im September 2019 beschlossen. Damals hatte sich der Bundesinnenminister Seehofer schon einmal quergestellt. Man kann diesem Antrag nur wünschen, dass er im Bundesrat eine Mehrheit findet.

 

Jetzt also 150 + 1553 Macht? 1703 Flüchtlinge.

 

1703 Schicksale.

 

Wir selektieren nun also Menschen nach „importierbar“ und „Pech gehabt“?

 

„Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten in’s Kröpfchen“? Oder wie soll/darf/muss ich das verstehen?

 

Wir sortieren, wählen aus nach: du darfst, du nicht, du darfst….?

 

Ich weiß jetzt nicht genau, ob ich unter Humanität dasselbe verstehe wie Angela Merkel und Olaf Scholz? Ich finde diese Vorgehensweise mehr als befremdlich!

 

Offensichtlich schaffen wir es trotz EU-Ratspräsidentschaft nicht, eine gemeinsame Lösung auf den Weg zu bringen. Wie peinlich! Wie unfähig! Die Geister die ich rief?

 

So bleibt dieser kleine Gnadenakt ein Alleingang und offenbart schonungslos, das Versagen einer EU, die sich Zitat: „die Förderung der Menschenrechte weltweit“, auf die Fahnen geschrieben hat. Ihr wisst schon, die mit dem einen Stern…ach nein, stimmt…es waren, ich meine, es SIND ja 12. 12 Sterne für 27 Mitgliedsstaaten.

 

Vielleicht würfeln die Staaten schon, wer, wie viele Flüchtlinge aufnehmen soll oder kann. Ich vermute, würden sie würfeln, stünden die Chancen wahrscheinlich noch besser, als anderweitig zu einer gemeinsamen Lösung zu gelangen.

 

Ich habe in den vergangenen Tagen so viel ekelhafte, widerwärtige, vor Hass triefende Kommentare unter Beiträgen zum Thema Moria gelesen, dass ich dazu auch noch etwas sagen möchte:

 

Vielleicht sollte einigen mal etwas bewusst werden: Nämlich, WAS hier in diesem Land falsch läuft. Ich wünschte mir mal, ein einziger von euch Hetzern gegen Menschen in Not, würde nur halb soweit den Mund aufreißen, wenn es darum geht, dass ein Verkehrsminister mit Namen Andreas Scheuer noch im Amt sitzt, wohlgemerkt NACHDEM er über 500 (!) Millionen Euro Steuergelder in den Sand gesetzt hat. Und das sehenden Auges! Ihr habt richtig gehört: Steuergelder. Euer Geld! Komisch, irgendwie ist der immer noch da. Und da wollt ihr mir immer wieder weismachen, die Flüchtlinge sind unser Ruin? Kapier‘ ich nicht, Leute. Und dann jeder zweite post: Die Rentner in Deutschland müssen Flaschen sammeln, aber die Flüchtlinge bekommen es dann hinterhergeworfen? Bitte was? Arme Menschen gegeneinander aufzuwiegen, auszuspielen, das hat schon was perverses. Ja, die Altersarmut IST ein Problem, genauso wie die Kinderarmut in diesem reichen Land. Aber wie lange gibt es jetzt schon Hartz 4? Wie lange Werksverträge, Lohndumping, keine oder lächerliche Mindestlöhne, miese Arbeitsbedingungen in Pflegeberufen oder der Gastronomie, Paketdienstleister usw. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Warum ist also kein Geld da für unsere Rentner und Kinder, unsere Schulen, Kliniken oder Kultur? Wegen den Flüchtlingen???

 

Butter bei die Fische:

 

Im Jahr 2018 hat Deutschland, also der Bund 15,1 Milliarden Euro ausgegeben für Flüchtlinge. (Quelle: correctiv.org)

 

Die Lufthansa wurde mit 9 Milliarden „gerettet“ (Mitarbeiter wurden trotzdem entlassen)

 

Adidas: Trotz Rekordgewinn von 2 Milliarden in 2019, zahlten sie erst ihre Ladenmieten nicht mehr und sahnten dann 3 Milliarden Euro von der KfW ab.

 

Puma: Überbrückt die Krise immerhin noch mit 900 Millionen Euro aus der Staatskasse

 

Autovermieter Sixt: 1,5 Milliarden gesichert obwohl mit Gewinn gerechnet wird

 

Media Markt und Saturn: 1,7 Milliarden obwohl die Läden wieder geöffnet sind und sich die Online-Verkäufe vervierfacht haben!

 

Kleinunternehmer sehen da eher alt aus und gingen oft leer aus.

 

35 Milliarden (!) hat die KfW bislang verteilt. Rund 40 Prozent dieses Geldes ging an gerade mal 19(!) Großkonzerne.

 

Das war nur ein kleiner Ausflug in die Welt der Milliarden in Deutschland.

 

Rentner, Kinder, Familien, Arbeitslose, Kranke, Alleinerziehende, Kurzarbeiter*innen?

 

Also, wenn ihr mal halb soviel Zeit darein stecken würdet, für die Benachteiligten in unserer Gesellschaft einzutreten und auf die Straße zu gehen, anstatt über Flüchtlinge herzuziehen, sie zu beleidigen und zu diskriminieren, dann könnte tatsächlich mal was besser werden in diesem Land. So finanzieren wir alle eben einen Andreas Scheuer weiter mit und bescheren ihm ein Leben ins Saus und Maut äh Braus. Und Großkonzerne, die sich heimlich ins Fäustchen lachen, wenn der Laden mal wieder proppenvoll ist, weil es wieder ein elektronisches „Schnäppchen“ gibt.

 

Und zum Abschluss nochmal zum Mitschreiben: Die Flüchtlinge sind in Not, wir haben eine Verantwortung, eine deutsche und eine europäische! Die gilt es nicht abzuwälzen. Und wenn ihr Angst habt, dass euch jemand etwas wegnehmen könnte, dann denkt an die Konzerne, die sich auf Staatskosten sanieren lassen von eurem Steuergeld und nicht an Menschen, die ein Leben in Würde haben möchten. So, wie jeder von uns. Jede Mutter für ihre Kinder, jeder Sohn für seine Eltern, jede Tochter für ihre Mutter, wie Großeltern für ihre Enkel und umgekehrt. Wir sind alle Menschen! Bleiben wir es auch in Zukunft und handeln in Mitmenschlichkeit.

 

Katja Richter

September 2020

 

Hierzu gerne auch: https://www.capital.de/wirtschaft-politik/staatshilfe-milliarden-fuer-die-falschen/3

 

Und https://correctiv.org/faktencheck/migration/2019/10/22/nein-fluechtlinge-kosten-deutschland-nicht-bis-zu-55-milliarden-euro-pro-jahr

 

Quellen: FAZ.de

Correctiv.org

Capital.de

 

#LeaveNoOneBehind #moriaevakuieren #campmoria #opentheborders #moriabrennt

#WirHabenPlatz

 

 

 

Die Büchse der Pandora oder: Eine Demokratie schafft sich selbst ab?

 

Die heutige Entscheidung die für den 29.8. geplante Demonstration in Berlin gegen die Coronamaßnahmen zu verbieten, halte ich für falsch und fatal.

Besonderes Kopfzerbrechen macht mir die Begründung. Einfach, weil man "erwartet", dass gegen die Infektionsschutzverordnung verstoßen wird. Aha. Nur mal eins vorweg, um das hier klar und deutlich zu verlautbaren: Wer im Schulterschluss mit Rechten marschiert, wird von mir kein Verständnis erwarten können! Daher distanziere ich mich ausdrücklich von Demos dieser Art, da es niemals einen Grund geben kann, der es rechtfertigt mit Nazis Seite an Seite ins Feld zu ziehen!

ABER und ja, hier MUSS ich ein lautes ABER einfügen: Es KANN und DARF in einer Demokratie nicht möglich sein eine Demonstration mit so einer Begründung zu verbieten! Die Versammlungsfreiheit ist unser höchstes Gut. Dieses darf nun nicht auf einem "Corona-Wühltisch" verramscht werden!

Wird dann zukünftig eine "linke" Demonstration auch im Vorfeld verboten, mit dem Argument, es könne ja jemand einen Stein werfen???

Jeder Nazi-Fackel-Auflauf darf durch deutsche Städte marschieren, seit zig Jahren und immer schön unter Geleitschutz! Was hat mich das schon Nerven gekostet! ABER als Demokrat, musste ich diese Kröte schlucken, (verdauen werde ich sie allerdings nie). Und wortlos hinnehmen muss man das trotzdem nicht!

Und doch frage ich mich: Was für eine fatale Signalwirkung, wird dieses Verbot in die, sagen wir mal "Coronaleugner-Szene" senden? Erste Kommentare dazu habe ich schon gelesen: "Die Demokratie lässt ihre Maske fallen ", "Jetzt zeigt sich die Corona-Diktatur" usw. Ok, einige werden sagen, dass diese Leute ohnehin nicht zu retten sind. Aber hey, diese Szene reicht inzwischen tief, sehr tief bis in die Mitte dieser Gesellschaft hinein!!! Und die Menschen "auf der Kippe", werden nun erst recht in die Arme dieser "Heilsbringer" getrieben. Klar, ihr Weltbild wurde heute offiziell nochmal bestätigt!

Eine Demokratie MUSS verdammt noch mal, auch andere Meinungen aushalten können! AUSHALTEN, nicht VERBIETEN!!! Wenn die Demo nur 5 Minuten stattgefunden hätte und dann wären die Verstöße da gewesen, DANN hätte man sie immer noch auflösen können.  Aber im Vorfeld Dinge zu mutmaßen oder zu unterstellen, ist schlicht UNDEMOKRATISCH! Wir wissen alle, die Verstöße wären natürlich da gewesen. Aber DAS kann nicht der Weg sein. Auch nicht vor dem Hintergrund der Pandemie. Wer weiß denn, für was Corona dann künftig noch alles herhalten muss, soll oder kann?

Diese Pandemie ist die Büchse der Pandora! Und auf diese Art und Weise mit Menschen umzugehen, auch wenn ihre Ansichten verstörend sein können, fügt unserer Demokratie Schaden zu. Erheblichen Schaden in einer Zeit, in der die Grundfeste ohnehin erschüttert sind und ins Wanken geraten.

 

Katja Richter

August 2020

Die Zeit läuft...

 

 

Immer wieder bekommt man zu hören, dass die Politik im Allgemeinen zu oft, zu weit weg von der Alltagsrealität der Menschen ist. 

Das Bild vom ewigen „Die da oben und wir da unten!“ wird durch eine abgehobene, teilweise sogar arrogante Haltung der Mächtigen gegenüber dem „gemeinen Volk“ weiterhin schamlos befeuert.  

Mit fatalen Auswirkungen auf die Entwicklung unserer gesamten Gesellschaft. 

Eine neoliberale Politik, die Scharlatanen und vermeintlichen Heilsbringern nur allzu sehr in die Hände spielt. Denn: Wer sich vergessen und abgeschrieben glaubt, für dessen Seele wird jedes Trost vorgaukelnde Wort, jeder scheinbare Ausweg und jede Zuversicht spendende Blendung, zu einer Verheißung.

Wir sollten den Glauben an unsere eigene Schaffens -und Tatkraft zurückerlangen und begreifen, dass jeder von uns, jeder Einzelne etwas bewirken kann. Wir sind diesem unersättlich nach Profit gierendem System nicht hilf -und machtlos ausgeliefert. Ein System, das in seiner Perversion kaum zu überbieten ist, stellt es doch stets den Profit über den Menschen.

 „Wir sind viele“ und wir müssen auf die Straße gehen für unsere Werte, unsere Rechte und ja, auch für unsere Träume und Visionen von einer besseren und gerechteren Welt! Denn nichts muss ewig so bleiben, nur weil es schon immer so war. 

Jeder von uns kann im Kleinen, etwas bewegen. So betrachte ich mich als Teil der Gesellschaft, als ein winziges Rädchen im Getriebe des Uhrwerks. Eigentlich nur ein kleines Teilchen und doch unentbehrlich, um den Zeiger in die richtige Richtung, voranzutreiben. Würden wir uns alle auch einmal so betrachten, ich bin mir sicher, es könnte eine andere Art von Gemeinschaftssinn entstehen. 

Etwas zu verändern, fängt immer auch bei uns selbst an! Jeder hat es in der Hand. Jeden Tag auf ’s Neue. Natürlich rennen wir oftmals gegen Windmühlen an. Doch alles ist besser als stillhalten und den Kopf in den Sand stecken. 

Nun haben wir natürlich eine Vielzahl von Problemen, die wir gesamtgesellschaftlich bewältigen müssen.  Hier sehe ich die Gefahr, dass in nächster Zeit elementar wichtige Weichen für die Zukunft Deutschlands, schlicht falsch gestellt werden. Im Magen liegt mir da u.a. die grüne Welle, die zu einem Tsunami zu drohen wird. Und bevor jemand hier voreilige Schlüsse zu ziehen versucht: Natürlich ist eine Klimawende unabdingbar, natürlich läuft uns die Zeit davon, wenn wir gewisse Szenarien verhindern oder aufhalten wollen. Und wir müssen sie aufhalten, um der Zukunft ganzer Generationen Willen. Das steht völlig außer Frage! ABER und das sage ich in aller Deutlichkeit: SO, wie z.B. Die Grünen einem grünen Kapitalismus den roten Teppich auszurollen bereit sind, SO können wir diese Krisen langfristig sicherlich nicht bewältigen. Denn der Kapitalismus ist das maßgeblich zu Grunde liegende Problem. Ihm einen grünen Anstrich zu verpassen, wird nicht nur unsere Gesellschaft weiter spalten und die Kluft zwischen „Arm und Reich“ weiterhin vergrößern, er wird die unersättliche Gier nach Profiten nur weiter befeuern. Branchen wie die heimische Stahl- oder Auto(zulieferer)industrie werden dann einfach als Bauernopfer vom Tisch gefegt auf dem Weg in die schöne, neue  und natürlich grüne Welt. Was soll’s? „Können ja alle umschulen und E-Motoren zusammenschrauben“. Achja, wenn’s nur so einfach wäre! Hier können und dürfen die Bedürfnisse von Mensch und Umwelt nicht einfach gegeneinander ausgespielt werden. Wir gehen in die falsche Richtung, auf einem vermeintlich einzig richtigen Weg!

Was nützt es denn, eine Industrie in die Knie zu zwingen, wenn wir am Ende dann wieder Billigstahl aus China importieren, der -ganz nebenbei- natürlich alles andere als „grün“ ist? „Transformation“, dieser Tage in aller Munde, muss aber auch die Zeit bekommen, um Veränderungen und Verbesserungen überhaupt erst möglich zu machen. Da hilft es eben nicht, die Holzhammermethode auszupacken und alles im Hauruckverfahren schier blind durchzuziehen.

Aber eins ist klar und allmählich befürchte ich, dieser Prozess ist inzwischen schon unumkehrbar: entweder spielst du die neuen, grünen Spielregeln mit, oder du wirst eben zu den Verlierern gehören. So einfach. Dem Industriearbeiter ist die Natur sicherlich nicht egal, aber zunächst einmal, bangt er um seinen Job, seine Existenz, kämpft um die Zukunft seiner Familie und muss seine Kinder satt bekommen. Klingt zu melodramatisch? Gar überzogen?  Diese Leute strampeln sich tagtäglich im Schweiße ihres Angesichts ab, um ihren bescheidenen Platz in diesem System irgendwie behaupten zu können. Schinden sich mit teils schwerster körperlicher Arbeit, für einen bescheidenen Lohn, der schon längst nicht mehr reicht, um sich dann am Feierabend in den Nachrichten die Hymnen des „Green new deals“ anzuhören? 

Klar, der technische Fortschritt lässt sich nicht aufhalten. Eine „Industrielle Revolution 2.0“, steht uns bevor und wird viele Menschen mit ihren Familien nicht nur den Job kosten, sondern auch ihr Selbstwertgefühl. Und natürlich ist es dann für jeden „Rattenfänger“ und „Heilsbringer“ da draußen ein leichtes, die Wut, Ohnmacht, Verzweiflung und Hilflosigkeit vieler Menschen zu kanalisieren und zu missbrauchen. Während die Öko-Akademiker-Eltern ihren pubertierenden Nachwuchs von einer fff-demo zur nächsten kutschieren, bangt „der kleine Mann“ darum, ob und wie er im Winter noch heizen kann, wie er seine Energiekosten noch bewältigen soll und ob er überhaupt noch einen Platz im neuen, grünen Paradies haben wird. Das Motto dieser Tage: „Die Luft wird dünn“. In jeglicher Hinsicht. An dieser Stelle möchte ich festgehalten wissen, dass ich in keinster Weise etwas gegen die Fff-Bewegung habe. Junge, engagierte Menschen, wer könnte da etwas dagegen haben? Diese Bewegung hat einiges erreicht und auf den Weg gebracht, einen Prozess in Gang gebracht, der längst überfällig war! Den die Politik jahrzehntelang schlichtweg verschlafen hat. Aber und da sehe ich eben inzwischen das Problem: auch hier wird eine Generation politisch instrumentalisiert für einen Kapitalismus, der sich nun eine Frischzellenkur verabreichen möchte, um in neuem Glanz zu erstrahlen, neue gewinnbringende Märkte zu erschließen und alles andere seiner Gier nach Profit unterzuordnen. 

Wer grün wählt, bekommt die CDU demnächst gleich frei Haus mitgeliefert. Das hat inzwischen so wenig mit den Grünen von einst zu tun, wie ein Sojadrink mit dem Schutz des Regenwaldes. Ist das wirklich das, was unsere Gesellschaft positiv verändern kann? Oder gaukeln sich die Grünen da nicht etwas vor? 

Ich sehe nur eine Chance für diese Gesellschaft: wir müssen die Menschen bewegen, ihr Vertrauen (zurück)gewinnen, ihnen ihr Selbstbewusstsein zurückgeben. Nur wer an sich glaubt, wird die Fähigkeit entwickeln, Dinge anzupacken, beim Namen zu nennen, für sie einzustehen und zu kämpfen. Die Lethargie muss durchbrochen werden, nur dann können wir uns befreien von der Geißel dieses kapitalistischen Systems, in dem der Profit immer noch lange vor dem Menschen kommt! 

Fff hat es vorgemacht: Bewegungen können vieles bewirken, Druck machen auf Politik, das Kind beim Namen nennen, Prozesse in Gang setzen. Nun haben die fff-kids sicherlich noch nicht diese Ermüdung und diese bleiernen Knochen, die eben ein Arbeiter oder eine Arbeiterin, der/die sich seit Jahren krumm buckelt, mitunter lähmen. Der/die nach Feierabend einfach müde und kaputt nach kurzweiliger Zerstreuung sucht. Eine Welle, einen echten Aufbruch auszulösen stellt hier eine viel größere Herausforderung dar. 

Aber -und da bin ich fest davon überzeugt- es ist möglich! Der Politikverdrossenheit Paroli bieten, eine wirkliche Alternative jenseits des braunen Molochs, gilt es auf die Beine zu stellen. Und das am besten gestern, statt morgen! Die Linke wieder als das anzubieten, was sie ist: die einzige Option, wenn es darum geht, den Menschen endlich wieder in den Mittelpunkt zu stellen. In was für einer Gesellschaft leben wir denn, in der das Profitdenken im Gesundheitssystem über die Bedürfnisse der Menschen gestellt wird? In der es immer noch keinen angemessenen Mindestlohn gibt, der seinen Namen verdient? In der Bildungsgerechtigkeit nach wie vor eine von vielen Worthülsen bleibt und das ewige Gerede von Chancengleichheit nichts weiter ist, als Phrasen dreschen? Eine Gesellschaft in der nach wie vor, der Bildungsgrad und das Einkommen der Eltern maßgeblich darüber entscheiden, welchen Schulabschluss ein Kind machen wird? Eine Gesellschaft in der Tierschutz unter „ferner liefen“ läuft? Ein System, das Menschen und Umwelt ausbeutet und das jeden, der nicht funktioniert oder mithalten kann, zwischen seinen gewaltigen Mahlsteinen zermalmt? Man hält uns für Esel, die vor den Karren gespannt, mit der vermeintlichen Belohnung einer Möhre, bei Laune gehalten werden. 

Die Folgen der Corona-Krise werden die Ängste der Menschen weiter befeuern. Viele, die bislang schon ums Überleben kämpften und sich abstrampelten, drohen nun ganz unterzugehen. Kleine und mittelständige Handwerksbetriebe, eine Vielzahl von Kunst -und Kulturschaffenden (die unser Land so bunt und abwechslungsreich machen), die gesamte Gastronomie -und Veranstaltungsbranche. Von der Auto -und Stahlindustrie ganz zu schweigen. Die vergessenen Helden im Gesundheitssystem, die Paketdienstleister….so viele Berufsgruppen befinden sich im tosenden Corona-Strudel, der nur eine Richtung zu kennen scheint. Die vielen warmen Worte der Bundesregierung, sind für die meisten, das einzige, was sie bekommen oder behalten dürfen! Während Milliarden für die Rettung großer Unternehmen nach dem Gießkannenprinzip verteilt werden, bleibt so mancher Kinderzuschlagantrag aussichtslos, so viele auf den Kosten der Krise sitzen, werden in die Insolvenz gestürzt und alleine gelassen. Wo für die Großunternehmen Geld da ist, schauen andere eben in die Röhre. Eine fatale Verkettung, die den Menschen wieder einmal den Glauben an eine Politik, die sich für ihre Belange interessiert, raubt. Politikverdrossenheit fördert. Den Menschen die Hoffnung auf Hilfe, darauf, nicht alleine gelassen zu werden, nimmt.

Wir brauchen eine starke Linke, eine Linke, die weder mit den Grünen kuscheln, noch mit angeblichen Sozialdemokraten, die vermutlich nicht einmal mehr wissen, wie sich das Wort buchstabiert, tanzen will. Wer, wenn nicht wir, muss und kann den rechten Kräften in diesem Land, verlässlich und unerschütterlich, die Stirn bieten? Wer, wenn nicht wir, kann den vom System Abgeschriebenen und Vergessenen, eine Stimme geben? Aber nicht einfach nur eine „Stimme geben“, nein, diese Menschen müssen zusammen mit uns die Stimme erheben, ausbrechen und neue Wege einschlagen. Dafür gilt es zu kämpfen, nach vorne zu schauen und nicht zurück ins ewig Gestrige.

Unser größtes Problem? Die Zeit. Die Zeit, die uns schlicht davonläuft und Scharlatanen in die Hände spielt. Die Zeit, die leider oft für fruchtlose, interne Querelen vergeudet wird. Zeit, die wir eben schlicht nicht haben. Aber auch hier bin ich trotz aller Hürden zuversichtlich: Wir werden diesen Prozess durchlaufen (müssen), um dann wie der Phönix aus der Asche aufsteigen zu können. Verbrannte Erde ist fruchtbar! Aufgeben? Jammern und Klagen? -Keine Option auf dem Schritt in die richtige Richtung! Ein Schritt, der sicherlich viel Kraft kosten, der uns aber unserem Ziel schon ein Stückchen näher bringen wird, möge er auch noch so klein sein.

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

(H.Hesse)

Und so sollte sich ein jeder von uns begreifen: Als einen (Neu)anfang, von etwas, das groß werden kann, bedeutungsvoll und das die Mächtigen in dieser ungerechten Welt ins Wanken bringen kann. 

Ob und wie wir damit anfangen, entscheidet jeder von uns, jeden Tag auf’ s Neue. Denn auch ein einzelnes Rädchen im Getriebe, kann den Fortgang des Zeigers, der nur eine Richtung kennt, aufhalten. Dem ewigen „Weiter so“ ein Ende setzen. Zusammen sind wir viele. Diesen Glauben an die Chance auf Veränderung, für eine bessere und gerechtere Welt, gilt es in die Herzen der Menschen zu pflanzen, die sich und ihre Träume längst aufgegeben haben. Die hoffnungslos sind und nicht wissen, wie die Zukunft für sie und ihre Kinder aussehen wird.

„You may say I’m a dreamer

But I’m not the only one.“

(J. Lennon)

Nun mag der ein oder andere, der bis hierhin durchgehalten hat, vielleicht müde lächeln. 

Aber das macht nichts. 

Ich glaube daran, dass Veränderung möglich ist und dafür werde ich immer kämpfen. Im Großen und im Kleinen, denn auch das größte Mosaik, besteht eben nun mal aus mühevoll zusammengesetzten Kleinteilen. 

Mach‘ mit! 

Du zählst, weil jeder zählt!!!

Fangen wir an.

Katja Richter

 

 

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